Porträtfoto von Philipp Volotas für die Teamseite von Heykes & Karstens, stehend und im Hintergrund ein Fenster

Zukunftskompetenzen am Arbeitsplatz

Ein Blick auf Gesundheitsförderung und Personalentwicklung

Organisationen stehen heute vor einer vielschichtigen Herausforderung. Sie müssen wirtschaftlich leistungsfähig bleiben und gleichzeitig mit tiefgreifenden Veränderungen umgehen: Digitalisierung, Fachkräftemangel, demografischer Wandel, steigende psychische Belastungen, gesellschaftliche Polarisierung bilden den Kontext, in dem die sogenannte Zukunftskompetenzen (Future Skills) zunehmend in den Fokus von Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und Corporate Health rücken.

Was sind Zukunftskompetenzen?

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Zukunftskompetenzen bezeichnen Fähigkeiten, Haltungen und Ressourcen, die Menschen befähigen, in unsicheren, komplexen und dynamischen Arbeitswelten handlungsfähig zu bleiben. Der Stifterverband beschreibt Future Skills als Kompetenzen, „die in zukünftigen Arbeits- und Lebenswelten notwendig sind, um selbstorganisiert Probleme zu lösen und aktiv an gesellschaftlicher Entwicklung teilzuhaben“ (Stifterverband, 2023).

Es wird in folgenden fünf Kategorien der Zukunftskompetenzen unterteilt:

  1. Grundlegende Zukunftskompetenzen
  2. Transformative Zukunftskompetenzen
  3. Gemeinschaftsorientierte Zukunftskompetenzen
  4. Digitale Zukunftskompetenzen
  5. Technologische Zukunftskompetenzen

Aus diesen Kategorien ergeben sich folgende 30 Future Skills: future_skills_2030_mit_kurzbeschreibung.pdf

Häufig wird in der Diskussion über Zukunftskompetenzen der Fokus auf die digitalen und technologischen Fähigkeiten gelegt. Der Einfluss, den Künstliche Intelligenz in der jungen Vergangenheit auf unser gesellschaftliches Leben und damit auch auf unsere Arbeit genommen hat, stellt andere Kompetenzen in den Schatten.

In dieser Diskussion darf nicht übersehen werden, dass Zukunftskompetenzen im Arbeitskontext ohne Gesundheit, Selbstführung und tragfähige soziale Beziehungen schwer entwickelbar sind. Genau hier ist ein erweiterter, systemischer Blick auf Organisations- und Personalentwicklung sowie betriebliche Gesundheit sinnvoll.

Kannst du uns einen Einblick geben, wie der Team-PSI-Prozess abläuft? Wie unterstützt du Teams und Führungskräfte dabei, die Ergebnisse zu interpretieren und Maßnahmen abzuleiten?

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Der standardisierte Team-PSI-Prozess* folgt einem strukturierten Ablauf, der mit einer Sensibilisierung des Teams und der Führungskräfte beginnt. Nach einer Online-Befragung bereiten sich die Führungskräfte auf den gemeinsamen Teamworkshop vor. In Summe beträgt der Zeitaufwand für die Führungskraft etwa 1,5 Tage, während das Team insgesamt rund 9 Stunden involviert ist.

Meine Rolle ist es, das Team und die Führungskräfte während des gesamten Prozesses zu unterstützen. Ich moderiere Feedback-Sessions, um gemeinsam mit den Teilnehmenden die Ursachen der Ergebnisse zu diskutieren und daraus Maßnahmen und ggf. Folgeschritte abzuleiten, die die psychologische Sicherheit erhöhen. Besonders wichtig ist mir, dass diese Maßnahmen wirklich bedarfsgerecht sind und die Teilnehmenden gut unterstützt fühlen.

Zusätzlich gibt es den EPSI (Enterprise-PSI), der das gesamte Unternehmen einbezieht.

Er ermöglicht einen Pulscheck der Unternehmensstimmung und hilft zu identifizieren, ob an dieser Stelle Handlungsbedarf besteht. Dieser Prozess hängt stark vom spezifischen Setting und den Anforderungen der Organisation ab und kann individuell bei mir angefragt werden.

(*Einen Überblick zum genauen Ablauf finden Sie auf der letzten Seite/unten)

KI hin oder her: Gesundheit bleibt der Megatrend.

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Gesundheit und Arbeit stehen in einer wechselseitigen Beziehung: Arbeitsbedingungen beeinflussen die Gesundheit der Beschäftigten und der Gesundheitszustand der Menschen wirkt sich direkt auf Beschäftigungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Produktivität aus. Ungesunde Lebensweisen, chronischer Erkrankungen und unreflektierter Umgang mit Stress stellen damit nicht nur ein individuelles, sondern ein strukturelles Risiko für Organisationen dar. Arbeitsqualität, Gestaltung von Arbeitsprozessen, Belastungsniveau, Beschäftigungssicherheit und Führungsverhalten prägen maßgeblich die Gesundheit der Mitarbeitenden (OECD, 2023). Gesundheitskompetenz wird damit zu einer grundlegenden Zukunftskompetenz: Sie befähigt Menschen und Organisationen, Belastungen frühzeitig zu erkennen, gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen und Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.

Gesundheitskompetenz, Resilienz, Selbstreflexion oder Teamfähigkeit sind keine „Soft Skills“, sondern hochgradig leistungsrelevant für eine Organisation. Diese grundlegenden Kompetenzen stehen so lange im Mittelpunkt wie Menschen in einem Unternehmen angestellt sind und zusammenarbeiten.

Alle weiteren Zukunftskompetenzen können sich nur entfalten, wenn die Voraussetzungen gegeben sind, die auf die Gesundheit (körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden) einzahlt.

 

Für Unternehmen bedeutet das ….

Trotz aller digitalen und technologischen Veränderungen arbeiten Menschen in den Organisationen. Ihr größtes Gut, und damit das Größte Gut der Organisationen, ist die Gesundheit. Es wäre fahrlässig, wenn ein Unternehmen nicht in die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden investiert. Nehmen wir den Krankenstand als Beispiel: wenn Mitarbeitende arbeitsunfähig und nicht verfügbar sind, geraten Entwicklung und Prozesse ins Stocken, es wird weniger produziert, anwesende Mitarbeitende werden mehr belastet, die Qualität der Arbeit leidet, Kunden nehmen die negative Veränderung der Qualität wahr und wenden sich ab. Die Folgen sind geschäftsschädigend.

Eine Organisation, die Voraussetzungen für Gesundheit schafft, schafft gleichzeitig die Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und ihrer Mitarbeitenden.

Gesundheit strategisch denken

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Ich bin überzeugt, dass ein strategisches Corporate Health Management Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Personalentwicklung miteinander vereint und Voraussetzungen für Gesundheit herstellt.

Aus dieser Perspektive sind folgende Inhalte Kern der Gesundheitskompetenzen im Kontext der Arbeit:

Gesundheitskompetenz & Resilienz

Gesundheitskompetenz befähigt Menschen, Belastungen zu erkennen, Ressourcen zu nutzen und Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, ohne langfristig Schaden zu nehmen.

Gesunde Selbstführung

Selbstführung ist eine Schlüsselkompetenz der Zukunft. Sie umfasst den bewussten Umgang mit Energie, Aufmerksamkeit, Grenzen und Prioritäten. Gesunde Selbstführung verbindet Leistungsfähigkeit mit Selbstfürsorge – und ist Voraussetzung für wirksame Führung und Zusammenarbeit.

Gesunde Führung

Führungskräfte prägen die Bedingungen, unter denen Zukunftskompetenzen entstehen oder blockiert werden. Gesunde Führung bedeutet:

  • Belastungen frühzeitig wahrnehmen
  • psychologische Sicherheit ermöglichen
  • Orientierung in Unsicherheit geben
  • gesundes Verhalten vorleben

Führung wirkt damit direkt auf Resilienz, Engagement und Innovationsfähigkeit von Teams und Mitarbeitenden.

Psychologische Sicherheit & Teamfähigkeit

Teams sind dann leistungsfähig, wenn sie sich sicher fühlen, Fragen zu stellen, Fehler zu benennen und unterschiedliche Perspektiven einzubringen (Edmondson, 2019). Psychologische Sicherheit ist damit eine zentrale gemeinschaftsorientierte Zukunftskompetenz und zahlt zugleich auf die psychische Gesundheit ein.

Selbstreflexion

Selbstreflexion verbindet individuelle Entwicklung mit organisationalem Lernen. Sie ermöglicht es, Muster zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und Verhalten anzupassen. Ohne Reflexionsfähigkeit gibt es keine nachhaltige Transformation.

Zukunftskompetenzen brauchen ein gesundes Fundament

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Die Debatte um Zukunftskompetenzen greift zu kurz, wenn sie sich auf technologische und digitale Fähigkeiten beschränkt. Organisationen der Zukunft werden nicht allein durch Technologie leistungsfähig, sondern durch Menschen, die unter komplexen, unsicheren und dynamischen Bedingungen gesund, handlungsfähig und kooperationsfähig bleiben. Gesundheitskompetenz, Resilienz, Selbstführung, psychologische Sicherheit und Teamfähigkeit sind keine ergänzenden Fähigkeiten, sondern bilden das Fundament, auf dem alle weiteren Zukunftskompetenzen aufbauen.

Unternehmen, die Gesundheit strategisch denken, investieren nicht in Wohlfühlprogramme. Sie investieren in ihre eigene Zukunftsfähigkeit. Sie schaffen Strukturen, Führungsbedingungen und Kulturen, die Lernen ermöglichen, Veränderung tragen und Leistung langfristig sichern. Zukunftskompetenzen entstehen dort, wo Gesundheit mitgedacht, Führung Verantwortung übernimmt und Zusammenarbeit auf Vertrauen basiert.

Literatur & Quellen

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